Höhere Lehranstalt für Tourismus
Interkulturelle Hotelfachschule Retz
Der Spiritus Loci der Grenzstadt Retz
Diese Schule hat den Spiritus loci ihres Standortes voll
erkant und ihr Schulprofil" mit Verve und Energie
darauf eingestellt. Wieder will die Stadt Retz sein, was sie
von jeher gewesen ist: regionales Zentrum in einem vollen
Umkreis, nicht nur amputiertin einem halben Kreis
wie zuletzt durch viele Jahrzehnte, als die Staatsgrenze zu
Mähren ein prosperierendes Lebensgebiet zerschnitt und
der inneren Logik der Landschaft und der in ihr lebenden Menschen
zutiefst widersprach. Als in diesem Jahr der luxemburgische
Ministerpräsident Claude Juncker auf Besuch in
Niederösterreich bei einer Veranstaltung der NÖ
Landesakademie im Retzer Althof von der Hotelfachschule ihr
erfolgreiches grenzüberschreitendes Agieren vorgestellt
bekam, war dieser glühende Europäer tief beeindruckt
und voll des Lobes. Nicht nur, dass die Schule in der Stadt
an der tschechischen Grenze als zweite lebende Fremdsprache
eben Tschechisch führt - über diesen reinen Unterricht
hinaus wird auch gehandelt! Die Retzer sind interkulturell
in reger Weise aktiv. In ihren Klassenzimmern sitzen Kollegen
von drüben also junge Tschechinnen
und Tschechen, die in die Schule gehen. Kann man sich vorstellen,
dass hier eine Generation heranwächst, die mit Verständigungsschwierigkeiten
zu kämpfen hätte? Zehn Jahre des Bestehens dieser
Einrichtung konnte man heuer bereits feiern. Heißt:
Der Eiserne Vorhang war kaum gefallen, als die Retzer Schulleute
bereits die Zeichen der Zeit erkannten und das Heft der Zukunft
in die Hand nahmen.
Auch Freundschaft geht durch den Magen
Bei einer Schüleraustauschwoche mit der Partnerschule
OHS in Brünn wurde dieses Jubiläum auch ordentlich
gefeiert - den tschechischen Kolleginnen und Kollegen galt
es viel zu zeigen, in der Stadt Retz, ihrer Umgebung und auch
in der Bundeshauptstadt Wien. Übers Feiern wurde aber
auch das Arbeiten nicht vergessen, galt es doch, eine Mährische
Woche mit einem ganz speziellen Tag darin vorzubereiten:
den Tag der mährischen Küche. Wenn bekanntlich
Liebe durch den Magen geht, dann die Freundschaft allemal
auch. Gemeinsamkeit und Verschiedenheit auch im kulinarischen
Bereich zu erkunden, steht einer interkulturelle Hotelfachschule
sowieso bestens an. Die Leiterin des Projektes, Magister Barbara
Sablik, dazu: Dabei sollten die Schüler kulturelle
Hintergründe kennenlernen und wahrnehmen. Es sollte dabei
auch die Akzeptanz und Toleranz gegenüber Menschen aus
anderen Kulturen erweitert werden. Abbau von Fremdheitssperren
und Vorurteilen diesen Part hat eben die Jugend an
sich gerissen!
Die Schülerinnen und Schüler bereiteten unter der
Leitung erfahrener Referenten aus Brünn Küchenchef,
Hoteldirektor, Servicefachmann das mährische Festmenü
zu.
Diesem Schulprofil entsprechend, gibt es gleich für
den ersten Jahrgang im Rahmen des Tschechisch-Unterrichtes
eine extra Sprachwoche in der Tschechischen Republik,
mit tatkräftiger Unterstützung der Partnerschule
in der mährischen Hauptstadt Brünn. Vormittags Sprachunterricht
in dieser Schule, nachmittags und abends reichlich Gelegenheit
bei vollem Programm (Stadtführung mit Quiz, Besuch und
Empfang im Rathaus, Hotelbesichtigung...) und bei der gastgebenden
tschechischen Familie.
Der fachlichen Praxis diente eine spezielle Praxiswoche
in Brünn. Auf dem Programm stand etwa eine Exkursion
in die Brauerei Starobrno (heißt: Altbrünn) in
Brünn, mit einer Bravourleistung der Retzer: teilnehmend
am Bierzapfwettbewerb aller tschechischen Tourismusschulen
siegten ausgerechnet junge Leute aus der österreichischen
Weinstadt! (Den Tschechen beim Bier was vorzuhüpfen!)
Ein Tag galt dem Besuch der Hauptstadt Prag mit Besichtigung
des Hotels Hilton, ein anderer Tag der Praxis in den Hotelbetrieben
der Partnerschule in Brünn.
Auch im Rahmen dieser Woche war die private Unterbringung
bei tschechischen Gastfamilien ganz im Sinne des Prinzips
Kontakt mit der tschechischen Sprache und grenzüberschreitende
Freundschaften.
Fernab von Phrase: Im Vordergrund steht der Mensch
Dass Tourismus und Völkerverständigung selbstverständlich
viel mehr sind als nur gut Essen und Trinken und gekonntes
Handling von Teller und Glas, ist den Retzern sonnenklar:
Die Retzer Schule des Tourismus definiert diesen
so: Früher war das touristische Angebot vielfach nur
auf die Vermarktung ausgerichtet; heute erfolgt die Angebotsgestaltung
zunehmend auch unter Berücksichtigung der Umwelt. Oberstes
Ziel neuer Konzepte sollte daher sein: Sicherung und Verbesserung
der Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung,
das heißt in erster Linie die Sicherung der natürlichen
und ideellen Grundlagen und erst in zweiter Linie wirtschaftliche
und gesellschaftliche Ziele verfolgen.
Die ideellen Grundlagen? Will auch heißen: das Wechselspiel
von Tourismus und Kultur. Dieses zu erkennen und daraus zu
lernen, diente das mehrmonatige Schulprojekt Schüler
auf den Spuren zeitgenössischer und regionaler Kunst
beiderseits der Grenzen. Dabei betätigten sich
die Schüler zunächst als Forscher. Über welche
künstlerischen Ressourcen verfügt überhaupt
die Region Retz-Znaim/Znojmo? Ein Dichter, ein Maler, eine
Grafikerin, ein Töpfer, ein Bildhauer und ein Geigenspieler
waren schließlich bereit, mit den österreichischen
und tschechischen Schülern wochenlang zusammenzuarbeiten
- diese spannende Forschungsreise mündete letztlich in
einer großen gemeinsamen interkulturellen Vernissage
in den historischen Räumlichkeiten des Hotels Althof
Retz. Zum Dank versprachen die Schüler ihrem
jeweiligen Künstler, eine eigene Homepage im Internet
zu bauen.
Bleibt noch anzumerken, dass die Retzer natürlich nicht
nur gut Bier zu zapfen verstehen, in ihrem ureigensten Element,
dem Wein, sind sie sowieso schwerlich zu schlagen. Zumal im
letzten Schuljahr eine eigene Weinkundengruppe unter Jürgen
Kirchner im Projekt Jungsommeliers in der Weinkunst
ausbildete. Fast hätte man gute Lust, sich selber dazu
auf die Schulbank zu setzen und in den Schulräumlichkeiten
der alten Retzer Weinbauschule und in den berühmten Retzer
Kellern sich auszubilden zu lassen über: Weineinkauf
und Lagerung, Weinkartengestaltung, Kalkulation, Präsentations-
und Verkaufstechniken, Weinverkostung und Beschreibung, korrespondierende
Getränke, Weinbau und Kellertechnik, Weinland Österreich
und internationaler Weinbau.
Quelle: Aktion Top Schule von
der NÖ Landesregierung - Handelsakademie Zukunftsakademie
für NÖ - eine Publikation der NÖ Landesakademie
Warum startete die NÖ Landesakademie den Bewerb TOP
Schule?
Die NÖ Landesakademie suchte im Sommersemester 2001
gemeinsam mit dem ORF, dem Kurier, dem Jugendreferat der Landesregierung
und dem Landesschulrat für NÖ die TOP Schulen in
Niederösterreich, weil wir herausragende Leistungen im
Bereich Schule und schulisches Umfeld öffentlich würdigen
und zu neuem Engagement ermutigen wollten. Viele unserer Schulen
leisten Besonderes, mit viel Eigeninitiative und zu unrecht
oftmals unbemerkt. Denn Lehrer waren es bisher nicht immer
gewohnt, ihre besonderen Leistungen und engagierten Aktivitäten
der Öffentlichkeit vorzustellen. Vielleicht fehlt auch
manchmal das Bewusstsein, dass Herausragendes geleistet wird.
Anscheinend wird von vielen Lehrern und Direktoren zusätzliches
Engagement und aufreibende Projektarbeit als Selbstverständlichkeit
angesehen.
Der Projektwettbewerb hat ein gewaltig Echo ausgelöst:
jede vierte Schule Niederösterreichs nahm am Wettbewerb
teil, an die 2000 Projekte wurden eingereicht. Dieses Buch
enthält eine Auswahl von Schulen und Projekten, die am
Bewerb TOP Schule 2001 teilgenommen haben. Es soll einen Überblick
über den Bewerb geben und als Nachschlagwerk für
Interessierte dienen.
Mag. Christian Schobel, Projektmanagement
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